Auf unserem Roadtrip durch Südnorwegen im letzten Sommer haben wir sie schätzen gelernt, die norwegischen Campingplätze.  Hach ja, ich denke noch heute sehnsüchtig an das viele Grün, die Weitläufigkeit der Anlagen und vor allem die (meist) unkomplizierte Atmosphäre auf den Plätzen zurück! Wie schön wäre es, wenn es davon auch hierzulande ein wenig mehr an der Zahl gäbe.

Klar, Norwegen hat Platz und Natur im Überfluss. Das ist auch der Grund, warum sich viele Campingplätze an exponiert schönen Stellen und fast immer am Wasser befinden. Zusätzlich sind die meisten Plätze sehr naturnah gestaltet, betonierte Wege findet man beispielsweise recht selten. Abtrennungen und Parzellierung ebenso wenig. Das braucht es auch nicht, denn in der Regel hat es Platz genug und jeder stellt sich dorthin, wo es ihm gerade gefällt!

Ein paar Dinge sind uns aber aufgefallen, die man beim Campen mit Kindern in Norwegen beachten sollte und diese wollen wir euch natürlich nicht vorenthalten. Als da wären:

Norwegische Campingplätze und andere Kinder

Tja, das ist so eine Sache, leider! Wir waren im August unterwegs, also zur Hauptreisezeit. Trotzdem haben wir, bis auf wenige Ausnahmen, auf norwegischen Campingplätzen recht wenig andere Kinder angetroffen. Seid ihr mit Geschwistern unterwegs, mag das nicht so ins Gewicht fallen, mit Einzelkind schon ;-).

Nach einem längeren Fahrtag hat sich unsere Tochter immer auf`s Spielen auf dem Campingplatz gefreut. Blöd nur, dass sie meist keine anderen Kinder angetroffen hat.

Wir haben das für uns mit dem allgemeinen Reiseverhalten in Norwegen begründet. Die meisten Norwegen-Reisenden machen Roadtrips, d.h. sie fahren jeden Tag weiter. Nicht gerade die typische deutsche Urlauberfamilie, dementsprechend niedrig auch ist die Anzahl der mitreisenden Kinder.

Es gab aber auch Ausnahmen (z.B. Camping Neset, s.u.), die auf Kinder ausgerichtet sind und auf denen man auch die klassische Urlauberfamilie getroffen hat. Wollt ihr also mal ein paar Tage an einem Fleck bleiben und die Beschäftigung eurer Kinder sicher stellen, sucht euch am Besten einen solchen Platz!

Freie Platzwahl auf norwegischen Campingplätzen vor 15 Uhr!

Tagsüber ist es aus dem gleichen Grund sehr ruhig auf den meisten Plätzen. Oft sind die Plätze fast leer und füllen sich erst gegen frühen Nachmittag wieder. Wer vor 15 Uhr ankommt, hat fast immer die Chance auf einen tollen Platz direkt am Ufer eines Sees oder Fjordes. Es lohnt sich also, die Tagesetappe kürzer zu halten oder eher loszufahren!

Wanderung Setesdalsheiane
Näher am Wasser geht nicht!

Die Ausstattung auf norwegischen Campingplätzen

Regel Nummer 1: vergiss die Sterne-Kategorisierung :-).

Wir hatten das Gefühl, die existiert in Norwegen bloß pro Forma. Verallgemeinernd kann man sagen, dass die Ausstattung etwas rudimentärer ist als hier bei uns in Deutschland, vor allem auf den kleineren Naturcampings. Auf großes Brimborium wird wenig Wert gelegt, vernünftige Sanitäranlagen findet man aber meistens vor.

Apropos Sanitäranlagen: für die Sanitäranlagen braucht ihr fast immer Duschmarken! Das solltet ihr bei der Kalkulation eures Übernachtungsbudgets auf jeden Fall beachten!

Einen (kleinen) Spielplatz hat fast jeder Camping zu bieten, auf den größeren Anlagen finden sich auch Hüpfkissen etc., aber alles nicht vergleichbar mit dem Ausmass auf manch deutschem oder italienischen Campingplatz! Animation gab es zum Beispiel nirgend! Uns hat das nicht gestört, ganz im Gegenteil. Wer darauf Wert legt, sollte es aber wissen.

Dafür findet man auf fast allen Plätzen Fischputzstationen, Bootsvermietungen und urige Holzhütten zum Mieten. Tja, norwegische Campingplätze sind anders, sagte ich das schon?

Vielleicht haben wir ja aber auch nur zufällig genau diese Plätze erwischt? Wenn ihr andere Erfahrungen gemacht habt oder auch bestimmte Plätze empfehlen könnt, hinterlasst uns gerne einen Kommentar!

Von uns besuchte Campingplätze in Norwegen:

Camping Sandnes (Mandal)

Der Tipp für die Nacht nach der Überfahrt! Nur etwa eine halbe Stunde von Kristiansand entfernt, bekommt ihr gleich die volle Breitseite Norwegen und könnt euch so richtig schön auf dieses tolle Land einstimmen!

Schon auf dem Weg vom Fährhafen zum Campingplatz kommt ihr an vielen kleinen Seen vorbei, wie aus dem Bilderbuch! Der Camping selbst liegt (leider) an einer kleinen Strasse, die aber nicht so sehr befahren ist. Direkt hinter der Strasse verläuft ein doch recht ansehnlicher Fluss, das Panorama ist toll!

Camping Sandnes Mandal
Auf dem Aussichtspunkt über Camping Sandnes

Nach der Ankunft meldet ihr euch beim Check In (einem kleinen, urigen Räumchen mit riesigem Elchkopf an der Wand!) und könnt euch dann einfach einen Platz auf der großen Wiese aussuchen.

Am Check In bekommt ihr von dem kauzigen, aber netten Inhaber auch ein liebevoll gemaltes Kärtchen, das ein paar kleinere Wanderungen in der Umgebung aufzeigt. Alle lohnen sich! Macht aber auf alle Fälle die kurze Tour auf den Aussichtspunkt über dem Campingplatz, es sind nur 20 Minuten, wenn überhaupt. Toll ist auch die etwa 4 Kilometer lange Tour zu einem kleinen See!

Camping Sandnes Mandal

Außerdem lohnt sich ein kurzer Ausflug ins Küstenstädtchen Mandal mit seiner kleinen süßen Altstadt aus weißen Holzhäusern. In Mandal kann man auch nochmal ganz gut einkaufen, bevor man in die Wildnis startet, es gibt mehrere Supermärkte.

Fazit: toller kleiner Camping für 1,2 Tage zum Abhängen nach der Anreise!

Link zur Homepage des Campingplatzes

Camping Neset (Byglandsfjord / Setesdal)

Camping Neset liegt an der E9 am Eingang des Setesdals und ist unbedingt empfehlenswert! Es ist einer der kinderfreundlichen Campingplätze in Norwegen, aber dabei keinesfalls laut oder rummelig. Wer auf einem der genialen Plätze direkt am Ufer des 35 Kilometer langes Sees stehen möchte, sollte nicht zu spät dran sein, am besten vor 15 Uhr! Gerade zu Gut-Wetter-Phasen ist der Camping gut belegt. Platz gibt es aber in Hülle und Fülle, wenn nicht am Wasser, dann direkt auf einer der riesigen Wiesen.

Camping Neset
Stellplatz direkt am Wasser

Auf Neset Camping gibt es einen sehr nett gestalteten Spielplatz, gerade für kleinere Kinder. Viele bunte, skandinavische Holzhäuschen im Miniformat bilden ein kleines Dorf: Schule, Bäcker, alles da. Ganz toll gemacht und wurde von den Kids auch sehr gut angenommen.

Camping Neset
Schöner Spielplatz mit vielen, norwegischen Mini-Häuschen!

Für die größeren Kids gibt`s noch ein Hüpfkissen und ein Trampolin im hinteren Bereich.

Außerdem verleiht der Camping Boote und hey, eine Kanutour auf dem Byglandsfjord ist ein absolutes Highlight, das müsst ihr unbedingt machen! Der ganze See ist voller kleiner Inselchen, auf denen man anlanden und Robinson spielen kann.

Wanderung Setesdalsheiane

Spielt das Wetter mit, ist der Platz auch super für ein paar Badetage geeignet. Direkt vor dem Camper könnt ihr ins Wasser springen, doch Achtung, es ist saukalt! Es gibt sogar eine kleine Anlage mit einer Rutsche ins Wasser, aber ganz ehrlich? Das haben nur die norwegischen Kinder ausgehalten, das Wasser hatte gerade mal 15 Grad 🙂 .

Dafür sind die sanitären Anlagen nicht soo toll (auf keinen Fall 4 Sterne!), hat uns jetzt aber nicht so gestört. Es gibt noch einen kleinen Shop, wo man das Nötigste bekommt und ein Restaurant, für alles Weitere müsst ihr das Auto bewegen!

Fazit: toller Platz für Familien, um ein paar Tage Bade- und Erholungsurlaub zu genießen!

Link zur Homepage des Campingplatzes

Solvgarden Camping (Rysstad / Setesdal)

Dieser Platz war ein Zufallsgriff und gleichzeitig ein Glückstreffer! Normalerweise fahren wir keine 5-Sterne-Plätze an, allerdings waren wir so abgenervt, da alle vorherigen Plätze aufgrund des anhaltenden Regens aufgeweicht und größtenteils nicht mehr befahrbar waren, dass ich meinte, "halt einfach mal an".

Bloss gut! Denn leider war es zwar der teuerste Platz unserer Reise (um die 40 Euro/Nacht) und seine 5 Sterne was weiß ich woher gezaubert, aber andererseits auch einer der Schönsten. Das Panorama dieses Platzes ist wirklich bezaubernd!

Solvgarden Camping liegt zusammen mit den dazugehörigen Ferienhütten an der Otra, einem Fluss, der mal reißend schnell dahinfließt, an anderen Stellen sich aber zu ruhigen Seen weitet. So auch hier. Wer zeitig kommt, ergattert einen Platz am Ufer, was uns geglückt ist.

Solvgarden CampingDer ganze Platz strahlt eine wunderbare Ruhe aus und eignet sich perfekt zum Runterkommen, zum Beispiel nach längeren Fahrtagen. Es gibt einen schönen Spielplatz ( mit viel Glück auch mit ein paar Kindern drauf 😉 ) und einen Badeteich, der zu unserer Zeit aber leider nicht sehr gepflegt war. Man braucht ihn aber nicht wirklich, es lässt sich ganz wunderbar im Fluss baden, wenn das Wetter mitspielt.

An den Campingplatz grenzt ein Wäldchen entlang des Flusses. Dieses könnt ihr auf einem kleinen Pfad durchlaufen und euch dabei kiloweise mit leckeren Blaubeeren eindecken.

Vom Solvgarden Camping aus könnt ihr außerdem wunderbar zu Erkundungstouren und Wanderungen starten. Der Camping ist beipielsweise eine gute Ausgangsbasis zum Lysefjord und der anspruchsvollen Kjerag-Wanderung. Dafür fahrt ihr die 80 Kilometer lange und unbedingt sehenswerte Ministrasse, die übers Fjell führt () und an sich schon einen Ausflug wert ist. Wollt ihr gar nicht bis zum Lysefjord, lässt es sich auch auf halber Strecke in der Setesdalsheiane traumhaft wandern.

Wanderung Setesdalsheiane
Strasse über`s Fjell Richtung Lysefjord

Fazit: recht komfortabler Platz in traumhafter Lage am Fluss. Ruhige, entspannte Stimmung.

Link zur Homepage des Campingplatzes

Camping Saebo (Eidfjord)

Camping Saebo...ja, was soll ich sagen: klein schnuckelig, mit Minimal-Ausstattung. Und erst die Lage! Direkt am Ufer eines Sees am Ende des Eidfjords. Vom Rummel am Eidfjord selbst bekommt man rein gar nichts mit. Trotzdem ist man in 5 Minuten mit dem Auto da, wenn man mal ein bisschen Zivilisation möchte oder gerade eins der großen Kreuzfahrtschiffe anlegt und man das Schauspiel ansehen möchte.

Camping Saebo Eidfjord

Camping Saebo bietet auch einen absolut empfehlenswerten Schlechtwetter-Tipp! In 10 Minuten (zu Fuss!) seid ihr nämlich am Hardangervidda Natursenter, einem wirklich genial gemachten  Naturkundemuseum. Kein Problem, sich dort einen halben Tag aufzuhalten, und wir sind nun wirklich keine Museumsgänger. Allein der dreidimensionale Film über 5 Leinwände, der aus einem Hubschrauber aufgenommen wurde, lohnt den Besuch. Man glaubt tatsächlich, zu fliegen! (Tipp: beim Eintritt nach den Familienkarten fragen, dann ist das Ganze auch erschwinglich!)

Außerdem ist Camping Saebo am Eidfjord DER Ausgangspunkt für Erkundungen und Wanderungen in der Hardangervidda, der größten Hochebene Nordeuropas. Wenn das Wetter halbwegs mitspielt, müsst ihr dorthin, wir haben bisher kaum etwas Schöneres gesehen! Auf dem Weg in die Hardangervidda nehmt ihr am Besten gleich noch die Wanderung (oder wenigstens die Aussichtspunkte) des Voringsfossens mit, eines traumhaft schönen Wasserfalls.

Wanderung Voringsfossen
Und da ist er, der Voringsfossen! Ist das nicht wunderschön?

Fazit: Camping Saebo ist ein traumhaft schön gelegener, entspannter Naturcampingplatz mit genialen Ausflugsmöglichkeiten!

Link zur Homepage des Campingplatzes

Sandviken Camping (Tinn Austbygd / Tinnholensee)

Sandviken Camping liegt echt am Ende der Welt und wenn ihr nicht unbedingt auf eurer Route dort vorbeimüsst: extra anfahren lohnt sich nicht wirklich. Wir finden, die Umgebung gibt nicht ganz so viel her wie andere Regionen Norwegens. Aber: für eine Zwischenübernachtung oder auch 1,2 Tage vor Ort (bei gutem Wetter!) ist der Platz ein echter Tipp!

Wieder direkt am Ufer eines Sees, oder vielmehr des riesigen Tinnholensees gelegen, denkt ihr nämlich tatsächlich, ihr seid am Meer! Der See ist so groß, bzw. lang, dass man das andere Ufer nicht sieht und sogar Fährschiffe verkehren. Bei gutem Wetter ein Eldorado für Bootsfahrer jeder Art!

Camping Sandviken
Aussicht vom Sandviken Camping

Der Camping an sich ist jetzt nichts besonderes, aber auch nicht schlecht. Es gibt einen kleinen Spielplatz und recht viele Dauercamper (hatten wir so in Norwegen sonst gar nicht), die aber im hinteren Teil des Platzes sind und optisch nicht stören.

Fazit: durchschnittlicher Platz, aber schön gelegen am gigantischen Tinnholensee. Bei gutem Wetter tolle Station für Bootsfahrer.

Link zur Homepage des Campingplatzes

So, das war´s mit unseren Tipps zum Thema Campingplatzsuche in Norwegen. Über weitere empfehlenswerte Plätze freuen wir uns in den Kommentaren!


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6 KOMMENTARE

  1. Liebe Steffi, das passt ja ganz köstlich ins Bild – im August war auch bei uns Flaute auf Skandinavischen Campingplätzen! Uns haben die Betreiber gesagt, dass der späte August bereits Nachsaison sei. Selbst Malmö war Ende August wie leer gefegt. Der Artikel ist super (danke dafür) und ich freue mich, nächstes Jahr einige der Campingplätze auszuprobieren – sie klingen verführerisch! Liebe Grüße, auch an den vierfüßigen Nachwuchs des Hauses! Tanja

    • Liebe Tanja, wir waren sogar gleich zu Beginn der Schulferien, Anfang Ausgust.
      Krass, wie leer die Plätze waren im Vergleich zu Hiesigen. Ach wär das toll, wenn hier Vergleichbares gäbe 😉 .
      Also fahrt ihr nächsten Jahr wieder, da bin ich glatt ein bisschen neidisch :-).
      Liebe Grüße
      Steffi

  2. Hallo,
    da wir diesen Sommer auch nach Norwegen wollen zwei Fragen die ihr vielleicht beantworten könnt.
    1. Wie schaut es Mücken aus? Wir werden Juli/August dort sein. Was für Erfahrungen habt ihr gemacht?
    2. Hattet ihr eine Camping Card (Camping Key Europe o.ä.)? Habt ihr hierzu Erfahrungen sammeln können, lohnt sich das?

    Viele Grüße
    Matten

    • Hallo Matten,
      mit Mücken hatten wir gar kein Problem, nur im Setesdal waren abends welche, aber auch nicht mehr, wie daheim zu der Jahreszeit auch. Wir waren Anfang August. Wir haben immer Anti Brumm im Camper, das hat bis jetzt immer gewirkt,egal ob gegen die kleinen fiesen Mücken in Korsika, zu Hause oder eben auch in Norwegen.
      Die Camping Card hatten wir, die brauchst du auch in Skandinavien, sie gilt wie eine Art Ausweis, den du beim Check In vorlegst. Du bekommst sie beim ADAC, ich glaube, um die 10 Euro rum. Rabatte werden dann vor Ort automatisch abgezogen.
      Liebe Grüße und viel Spass im hohen Norden!
      Steffi

  3. Hi Steffi,
    ich muss glatt etwas schmunzeln, denn ich habe tatsächlich in Norwegen das allererste Mal in meinem Leben gecampt. Ich liebe die norwegische Lebensweise, die Einfachheit, die Naturverbundenheit, und damit auch die Campingplätze. Ich empfinde daher die deutschen Plätze als „anders“ 🙂
    Die Saison ist in Norwegen am 15. August vorbei, wenn die Schule wieder beginnt. Aber auch mitten im Juli/August finden sich immer freie Plätze, es gibt schließlich reichlich Campings quer im Land verteilt.
    Ganz liebe Grüße, Nicole

    • Liebe Grüße zurück 🙂
      haha, die deutschen Plätze sind anders…ja, da hast du recht, so kann man es auch sehen. Aber es geht noch schlimmer. Fahr mal an die ital. Adria. Oje, oje, niemals nicht würde man mich da hinbekommen, never ever.
      es war traumhaft auf den norwegischen plätzen, nur die Kinder haben halt gefehlt. Eins hätte ja gereicht :-).
      LG, Steffi

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