Wandern in Norwegen ist anders. Also so komplett anders, als wir es hier im Alpen- und Mittelgebirgsraum kennen. Dafür nicht weniger schön, ganz im Gegenteil. Wenn ihr allerdings mit Kindern unterwegs seid, gibt es einige Fakten, die man besser vorher weiß. Die da wären:

1. Wandern in Norwegen: das Wetter

Das Wetter kann sich ändern, klar. Das ist bei uns im Alpenraum nicht anders. Allerdings wird es in Norwegen sofort empfindlich kühl, nass und windig. Temperaturen im Hochsommer unter 5 Grad sind in manchen Regionen nichts ungewöhnliches. Schlecht, wenn ihr dann nicht die passenden Sachen dabei habt. In Norwegen haben sich bei uns nicht nur ein Fleece, sondern zusätzlich eine Wattejacke als wärmende Schicht bewährt! Darüber auf jeden Fall eine ordentliche Regenjacke, wir hatten zeitweise alle 3 Schichten übereinander an, so kalt war es!

Auch an den Beinen macht zumindest eine Softshellhose Sinn, habt ihr nur normale, dünne Wanderhosen, packt auf jeden Fall eine Unterhose/Leggings zum drunter ziehen mit ein. Und natürlich eine Regenhose zum drüber ziehen.

Pflicht sind außerdem Fleecemütze, Buff-Tuch und Handschuhe, die sollten immer im Rucksack sein, auch für euch Erwachsene!

wandern in Norwegen
in voller Montur 🙂

2. Wandern in Norwegen: nasse Wege und viele Sumpflöcher

Viele "Wege" sind extrem nass und sumpfig. Wenn ihr keine Lust habt, den ganzen Weg hüpfend zu bewältigen, empfehlen wir euch knöchelhohe und vor allem wasserdichte Wanderschuhe. Dazu optimalerweise Gamaschen (die wir leider nicht hatten) für alle und die Wasserlöcher verlieren ihren Schrecken!

Außerdem absolut sinnvoll sind Trekkingstöcke. Es balanciert sich gleich viel besser und außerdem läßt sich mit so einem Trekkingstock wunderbar vorab die Tiefe eines Sumpfloches abchecken, solltet ihr euch mal nicht sicher sein, ob ihr da rein tretet oder besser nicht  😉 . Die Trekkingstöcke gibt`s auch schon für Kinder und wir waren heilfroh, dass wir unserer Tochter dieses Jahr welche geschenkt hatten. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase kam sie auch wunderbar damit zurecht (sie ist jetzt 7). Wir haben solche Stöcke hier, die sind nicht zu schwer und haben kleinere Griffe für die kleinen Kinderhände.

3. Wandern in Norwegen: gutes Kartenmaterial oder App erforderlich!

In Norwegen sind die Wanderwege oft nicht oder nur ganz schlecht ausgeschildert. Mancherorts gibt es gleich gar keine Wege und ihr müßt euch euren Weg selbst suchen. Zum einen macht das natürlich einen Riesenspass (besonders auch den Kids), zum anderen birgt es aber auch Gefahren mit sich. In der Hardangervidda z.B. können Nebel und schlechte Sicht ganz schnell zur höchst unangenehmen Situation werden. Ohne vernünftiges Kartenmaterial oder zumindest eine gute App seid ihr aufgeschmissen, da es plötzlich überall gleich aussieht! Einen Weg gibt es ja nicht und andere Leute, die ihr vielleicht fragen könntet, auch nicht  😉 .

wandern in Norwegen
weglos wandern...

4. Wandern in Norwegen: Hütten sind Mangelware!

In Norwegen gibt es keine "klassischen" Hütten wie beispielsweise bei uns in den Alpen. Also, es gibt zwar schon Hütten, aber das sind dann in der Regel Übernachtungshütten für Mehrtageswanderer. Eine Hüttendichte wie im Alpenraum gibt es also nicht, was bedeutet, dass ihr euer Essen selbst mitnehmen müßt. Denkt daher bitte immer an ausreichend Proviant, gerade auch für die Kids. Schnell mal unterwegs anhalten und in einer Hütte einkehren ist nicht.

Ein kleiner Tipp: nehmt euch so eine kleine, faltbare Unterlage für jeden mit. Die wiegen nichts, haben sich bei der Rast aber mehr als bewährt, weil es fast überall feucht oder nass ist und ihr sonst keine vernünftige Pause machen könnt.

Was wiederum gar kein Problem ist, ist die Wasserversorgung unterwegs. Ihr braucht keine Unmengen an Wasser mit zu schleppen, denn Wasser gibt es in Norwegen mehr als genug. In den Wandergebieten sind überall Flüsse und Seen mit Trinkwasserqualität, so dass ihr jederzeit auffüllen könnt. Wer ganz sicher gehen will, nutzt einfach einen Mini-Filter für kleines Geld, das hat uns sehr gute Dienste geleistet.

5. Wandern in Norwegen: die Zeitplanung

Irgendwie müssen die Norweger längere Beine haben. Oder schneller rennen können. Oder beides. Jedenfalls haben wir festgestellt, dass die norwegischen Zeitangaben nicht wirklich mit der Realität übereinstimmen und wir sind nun wirklich viel in den Bergen unterwegs!

Wenn ihr mit Kindern eine Tour machen wollt, plant bitte mindestens ein Drittel mehr Zeit ein, besser die Hälfte, dann seid ihr auf der sicheren Seite. Nichts ist schlimmer, als hetzen zu müssen oder womöglich abzubrechen, weil das Ziel in unerreichbare Ferne rückt.

Fazit:

Wandern in Norwegen ist wunderschön, wenn ihr ein paar kleine Dinge beachtet. Nirgendwo findet ihr solch eine Natur und Unberührtheit wie in dort. Die Weite und Vielfältigkeit der Landschaft zieht euch sofort in den Bann und mit Schrecken denkt ihr an die Menschenmassen, die euch nach dem Urlaub wieder in den Alpen bevorstehen! Uns jedenfalls geht es so!

⇒ ⇒ ⇒ Den kompletten Reisebericht zu unserer Tour findet ihr hier!


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10 KOMMENTARE

  1. Hihi, dass die Uhren dort anders ticken müssen, haben wir auch festgestellt 🙂 Auch ohne Kinder, dafür aber mit voller Trekkingausrüstung, haben wir im Jotunheimen für unsere erste Etappe doppelt so lange gebraucht wie angegeben. Autsch!
    Was die Kleidung angeht, stimme ich voll zu. Die Zwiebeltaktik ist in Norwegen das einzig Wahre. Eine lange Unti ist selbst im Sommer ein Muss. Bei feuchtem Wetter wandern die Norweger übrigens gleich in langer Unti mit Regenhose drüber. Das ist viel bequemer, als wenn man die Regenhose irgendwann über seine Wanderhose quetscht, kann ich nur empfehlen.
    Was mich allerdings wundert, ist euer Punkt 3. Klar, Karten sind im Gebirge immer wichtig, aber ich finde die Wanderwege in Norwegen super beschildert. Das rote T ist doch immer und überall weithin sichtbar. Das ist zumindest meine Erfahrung, und ich war schon in vielen Ecken Norwegens wandern.
    Wo wir uns aber wieder einig sind: Wandern in Norwegen ist traumhaft schön!! 🙂
    Liebe Grüße, Nicole

    • Hi Nicole,
      interessant, deine Erfahrung! So unterschiedlich kann das also sein. Der Weg zum Voringsfoosen war z.B. auch super ausgeschildert, andere Strecken dafür wieder kaum oder gar nicht, in der Hardangervidda zum Beispiel. Ist ja eigentlich auch egal, ich persönlich mag`s eh lieber auf die norwegische Art mit dafür wenig Menschen ;-).
      Der Unterhosen-Regenhosen-Kombitipp ist ziemlich genial, auf Auf die Idee wär ich so gar nicht gekommen!
      LG von Norwegenfan an Norwegenfan 🙂

  2. Hallo Steffi,

    dein Bericht macht mich noch neugieriger auf Norwegen! IRGENDWANN will ich da auch noch hin!

    Zum Thema Orientierung: Ich finde, dass das gute alte Kartenmaterial zusammen mit einem Kompass immer noch zur Grundausrüstung gehören sollten. Dazu im Idealfall noch ein GPS-Gerät. Auf Apps würde ich mich überhaupt nicht mehr verlassen und sie auch nicht unbedingt empfehlen (außer zur Planung vorab). Damit habe ich mich erst letztes Jahr hier in der Gegend im Wald verlaufen, weil die Karten nicht richtig geladen haben (trotz Offline-Speicherung und guter Verbindung). Und ja, die Orientierung verlieren kann schnell gehen, nicht nur in Norwegen 😉

    Zur Zeitplanung: Wir sind übrigens immer noch bei einer ganz klaren Verdoppelung der Wanderzeiten mit Kind (Alter: 2 und 5). Wird das irgendwann besser? 😉 🙂

    Liebe Grüße,
    Charlotte

    • Hallo Charlotte,
      verlaufen kenne ich, habe ich quasi erfunden :-).
      Mit Apps ist das auch in Norwegen speziell schwierig, Outdooractive, was ich sonst super finde, hatte zu Norwegen so gut wie gar nichts drauf. Wir hatten vorab keine Karten gekauft, weil wir ja noch nicht genau wußten, wo wir wandern werden.
      Zu den Wanderzeiten mit Kind: wir brauchen auch immer noch ewig, ist aber von Tour zu Tour völlig unterschiedlich. mal läuft`s super und dann wieder weniger. Waren es früher die kurzen Beine der kids, die aufgehalten werden, ist es mit zunehmendem Alter die Motivation, leider.
      LG jedenfalls!
      Steffi

  3. Danke für die tollen Tipps! Wir fahren Mitte Oktober für eine Woche nach Norwegen. Nicht die beste Jahreszeit… aber da wir dort Verwandte besuchen und an die Schulferien gebunden sind, passt es nicht anders. Wir haben uns fest vorgenommen, Wandern zu gehen und ich hoffe sehr, dass das Wetter mitmacht. Hinterher gibt es auf meinem ganz neuen Blog auch einen Bericht 🙂

    • Der Oktober soll aber sehr schön sein, von den Farben her! Gerade auch oben auf den Hochebenen. Und regnen kann`s ja sowieso ständig, wie wir feststellen durften -).
      Ich wünsch euch also au alle Fälle viel Spass, bin gespannt auf euren Bericht!

      • Meine Schwägerin sagt, wir sollen uns wettertechnisch auf alles einstellen – von Sonnenschein über Dauerregen bis Schneegestöber 😉 Gut, dass wir mit dem Auto fahren – das wird voll gestopft bis unters Dach, damit wir für alle Eventualitäten gerüstet sind 🙂

        • Deine Schwägerin hat absolut recht, würde ich sagen 🙂 .
          Pack am besten alles so ein, dass du das Zwiebelprinzip anwenden kannst. So haben wir das auch gemacht, hat sich bewährt!
          LG, Steffi

  4. Hallöchen,
    ich war auf der Suche nach den Farbkennzeichnungen der Wanderwege in N. Hier habe ich nichts gefunden, aber das ist nicht schlimm, weil ich denke, die Farben sind nach Schwierigkeitsgrad gestaffelt. Ich wollte es sowieso nur bestätigt haben.

    Was du schreibst, kann ich alles bestätigen. Der Wind ist saukalt und macht jede Wärme der klaren Sonne zunichte. Weit oben macht sich das noch mehr bemerkbar. Die Wanderwege sind wirklich sehr oft schlecht markiert, was sicher auch daran liegt, wie die entsprechende Kommune die Wege pflegt. Denn auf Wege vom DNT trifft man nicht überall. Dass die gut markiert sind, glaube ich gerne, aber bei anderen Wegen ist es besser, man nimmt noch ein Navi mit.
    Den hier genannten Tipp mit der langen Unterhose und einer Regenhose drüber habe ich auch schon probiert. Mehr aus der Not heraus, als mit Absicht. Man friert nicht, aber wird evtl. nach vielen Stunden eine feuchte Unterhose wegen des Schwitzwassers haben. Ansonsten wandert es sich sehr bequem, weil nichts drückt.
    Ich habe auch immer 3 Jacken dabei, oft sogar noch einen Poncho, der sich auch bewährt hat, wenn es ganz übel wird. Ein Buff hat mir sehr geholfen als ich erkältet wanderte. Wer da empfindlich ist, sollte bei üblem Wetter nie längere Zeit durch den offenen Mund atmen, was bei mir oft der Fall war.

    Wünsche dir noch viele schöne Momente in N
    Grüßchen
    Günthi

    • Hallo Günthi,
      super lieben Dank für deinen langen Kommentar! Auch wenn es in N irgendwie anderer Kleidungsordnung bedarf,ist es doch wunderschön und ich könnte sofort wieder losfahren.
      Wünsch dir allzeit tolle, abenteuerliche Touren!
      LG, Steffi

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